Interview mit Thomas Dornblüth zum Vorlesetag am 21.11.25

Seit er Schulleiter am WHG ist, liest Thomas Dornblüth jedes Jahr bei den Einschulungsfeierlichkeiten für die neuen Fünftklässler begeistert aus einem Jugendbuch vor. Darunter waren schon Textstellen aus ganz verschiedenen Büchern, die natürlich immer ein Thema gemeinsam hatten: Die Schule.

Anlässlich des Vorlesetags 2025 folgt hier ein Interview zum Thema Vorlesen mit unserem Schulleiter.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, bei den Einschulungsfeiern der Fünftklässler aus einem Jugendroman vorzulesen?

Eine gewichtige Politikerrede hätte ich für das junge Publikum eher unpassend gefunden. Natürlich ist unsere Vorstellung von Schule auch eine ernste Sache und die Leitsätze des WHG sind sehr wichtig, andererseits passiert im wirklichen Schulleben immer wieder etwas Ungeplantes, Unerwartetes. Und oftmals entwickelt sich gerade daraus etwas Positives. Zu diesem Aspekt passt für mich das Augenzwinkern, mit dem Jugendliteratur auf das Thema Schule schaut, sehr gut: In diesen Büchern geht es ebenfalls weniger theoretisch um ernste Dinge wie um die Vorbereitung auf das Leben, sondern es werden immer wirkliche Erfahrungen widergespiegelt, die wir alle so kennen oder uns ausmalen können. Ich denke da zum Beispiel an die Oma, die in „Oma, schreit der Frieder“ resolut die junge Lehrerin ersetzt oder an die sympathische Schülerbande in den Geschichten von „Ella“, die mit ihrem Lehrer ungewohnte Facetten von Schule erlebt.

Schon bei der ersten Einschulung hatte mir das Vorlesen aus einem Jugendbuch großen Spaß gemacht. Damals hatte ich den Textausschnitt zuvor meiner eigenen Tochter vorgetragen, die mir mit den Jahren immer mehr Tipps für geeignete Jugendbücher lieferte, was auch für uns als Familie schön war.

Welche Vorzüge sehen Sie im Vorlesen?

Da fallen mir vor allem Hörbücher ein, die ich sehr gerne mag. Das halte ich für eine Herausforderung, ein ganzes Buch vorzulesen. Die Art des Vorlesenden, die Entscheidung, wie er einen Text vorträgt ist ja immer eine eigene Deutung. Dadurch nimmt ein gut vorgelesenes Buch ein wenig weg von dem, was man sich sonst beim eigenen Lesen vorstellt. Gleichzeitig erweitert es aber auch den Lesegenuss, weil einen die vorgelesene Geschichte wirklich fesseln kann. Manchmal bekommt man auch erst Zugang zu einer Lektüre, wenn sie vorgelesen wird, weil alles lebendiger wird. Wie bei einer Theateraufführung gelingt es dann einfacher, sich mit den dargestellten Figuren zu identifizieren.

Lesen Sie generell gerne und wenn ja, welche Art von Büchern?

Ja, ich lese gerne und höre gerne Hörbücher an. Gerade bin ich bei der Lektüre von „Lázár“, einer zeitgeschichtlichen Familiensaga von Nelio Biedermann, die eindrücklich die Umbrüche des 20. Jahrhunderts in Ungarn thematisiert. Die Bücher von Daniel Kehlmann gefallen mir ebenfalls. Aber ich mag auch gerne Thriller oder Spionagegeschichten. Darüber hinaus bereitet es mir Vergnügen, wenn ich die Schauplätze der Handlung kenne, also wenn die Bücher an einem mir bekannten Urlaubsort spielen oder zum Beispiel in Karlsruhe.

Susanne Treiber